Elemente und Yoga

Elemente und Yoga sind schon lange eng miteinander verbunden. In der Element-Yoga-Methode* sind es: Raum, Erde, Wasser, Feuer und Luft . Die Elemente-Lehre geht auf die Samkhya-Philosophie zurück.

So wie die Elemente auf den Körper bezogen werden können, können wir sie auch auf emotional-seelischer Ebene wiederfinden. Hier sind es dann Gefühle oder Herzqualitäten, die sich den Elementen zuordnen lassen. Natürlich lassen sich Menschen weder in Element-Kategorien noch in einfache Schemata einteilen und sind dann zu 100 % repräsentiert. Das Arbeiten mit den Elementen erleichtert es, Zusammenhänge zu sehen und zu verstehen und Schritte in die Selbstverantwortung zu gehen, ohne sich von dem „großen Berg“ und dem Bedürfnis nach Entwicklung eingeschüchtert zu fühlen. Die Beschreibungen innerhalb der Elemente weiter unten sind also eher Stereotype, die mit einem Zwinkern zu verstehen sind, als dass sie real existierende Menschen wiederspiegeln sollen.

Um uns ganz werden zu lassen und wieder zur Einheit zu gelangen, brauchen wir eine individuelle Elemente-Mixtur (ja, individuell!). Diese Einheit kann auf verschiedenen Ebenen stattfinden. Wenn wir uns dem körperlichen Aspekt des Yogas widmen, dann können wir diesen Weg nutzen, um auf körperlicher Ebene die ins Ungleichgewicht geratenen Dinge auszubalancieren. Und durch diesen Schritt der Bewusstwerdung und Balancefindung können wir gar nicht anders, als auch auf der Gefühls- und Herzebene für Ordnung und Wachstum zu sorgen. Für Yoga- und/oder Element-Neulinge habe ich eine kurze (unvollständige) Liste erstellt, um einen ersten Eindruck zu vermitteln, worum es hier gehen soll. Den Elementen werden nun Körperbereiche und emotionale Qualitäten oder Vorgänge zugeordnet:

Raum – Bewusstheit, Selbstreflexion; ganzer Körper

Erde – Stabilität, Selbstvertrauen; besonders Beine

Wasser – Akzeptanz, Nachgiebigkeit; besonders Becken

Feuer – Klarheit, Fokus; besonders Bauch

Luft – (Selbst)liebe, Vertrauen ins Leben; besonders Brustkorb/Oberkörper

Raum.

Raum ist genauso zu verstehen, wie es sich anhört. Weitläufig, frei, groß. Raum integriert alle anderen Elemente in sich, es ist sozusagen das Netzwerk, in dem sich alle Linien kreuzen.

Raum ist körperlich gesehen unser Nervensystem. Zum Zentralen Nervensystem gehören Gehirn und Rückenmark, zum peripheren Nervensystem zählen die zwölf Haupthirnnerven, die Spinalnerven und das enterische Nervensystem. Nerven sind u.a. dafür zuständig, entweder Kommandos unseres Gehirns weiterzuleiten in andere Körperbereiche, z.B. einen Bewegungsimpuls an entsprechende Muskeln, oder Reize von außen aufzunehmen (Temperatur, Berührung etc.) und diese an das Gehirn zur Verarbeitung und Reaktionseinleitung zu schicken. Raum ist also zum einen auf Körperebene der Kopf, da hier das Gehirn sitzt, zum anderen aber auch der ganze Körper, da überall Nervenbahnen entlanglaufen. Im Raum wird alles miteinander vernetzt. Nerven ermöglichen uns Wahrnehmung, Spüren und Bewusstsein bzw. Bewusstwerdung. Und das ist auch der große Auftrag auf körperlicher, geistiger und emotionaler Ebene. Spüren, was da ist, ohne zu bewerten. In jeder Yogapraxis wird Raum praktiziert und je bewusster wir uns dessen werden, dass Bewusstheit eine wichtige Voraussetzung von Balance und Entwicklung ist, desto eher kommen wir in den bewussten Zustand. Was sich wie eine Tautologie anhört, ist schon der Schlüssel zu uns selbst. Eine Yogapraxis, die Raum als vorherrschendes Element oder Stundenthema hat, beschäftigt sich mit dem Spüren in die Atmung und in die einzelnen Asanas hinein. Was finde ich vor auf körperlicher Ebene? Und welches Echo macht das in meinem Geist und meiner Seele? Es lohnt sich, seine nächste Praxis ganz bewusst dem Spüren zu widmen, gegenwärtig zu sein und in jedem Augenblick bei sich und seinem Körper anzukommen. Dann entwickelt sich eine Wahrnehmung, die immer feiner wird im Verlauf der Zeit und uns schnell in einen präsenten Zustand versetzen kann.

Wir brauchen Raum, um alle anderen Elemente wahrzunehmen und auszugleichen. Denn jedes Element hat positive wie negative Aspekte und hier ist dann Bewusstsein gefordert, um herauszufinden, was dominiert und was wird unterdrückt, was darf sich entwickeln, wovon ist genug da?  Die einzige Möglichkeit, etwas zu ändern, besteht darin, es selbst wahrzunehmen und ändern zu wollen. Körper und Seele sind eins, untrennbar miteinander verbunden. Bearbeiten wir das Eine, wird auch immer das Andere mitgeformt.

Erde.

Erde als Element erzeugt die Assoziation von Stabilität, Basis, Selbstvertrauen.

Wer im Element Erde zu Hause ist, den bringt nichts so leicht aus der Ruhe. Erde ist konservativ, also im positiven Wortsinn wertbewahrend, und ist sich selbst genug. Erde will, im Gegensatz zu allen anderen Elementen, nirgendwohin, sondern Erde will Basis schaffen. Erdige Menschen sind häufig selbstgenügsam und brauchen nicht allzu viel Entertainment von außen. Zu viel Erde hingegen macht starr und unnachgiebig, störrisch und irgendwie vertrocknet. Hier wird das mit sich sein können zu einem nerdigen Eigenbrötlertum, in dem alles abgelehnt wird, was nicht schon immer da war.

Ein stabiles Fundament ist unabdingbar, um darauf etwas zu errichten, was von Dauer sein soll, egal ob körperlich oder emotional gedacht. Also ist es wichtig, Erde zu stärken und zu pflegen. Auf körperlicher Ebene trainieren wir Erde vor allem in den Beinen, als starke Basis, aber eine gut trainierte Muskulatur ist natürlich etwas Ganzkörperliches und somit ist in jedem Körperteil Stabilität erfahrbar. In den Beinen sind gesunde, kräftige Muskeln wichtig, die den Rest des Körpers tragen. Eine Yogasequenz, die viele Standhaltungen integriert und damit die Beine fordert, stärkt den erdigen Anteil in uns.

Eine Herzqualität, die mit Erde verbunden ist, kann durch solch eine Yogapraxis ebenso etabliert und in unserem Alltag spür- und lebbar gemacht werden. So einfach ist es: Selbstvertrauen basiert auf dem Vertrauen in sich selbst. Ein starkes auftreten (Beine) strahlt vor Selbstvertrauen, wenn ich mir sicher bin, dass meine Beine mich tragen werden. Auch wenn es einen Rückschlag gibt oder ich mit Gegenwind rechnen muss, emotionale und körperliche Stabilität lässt mich auch solche Phasen heil durchleben.

Wasser.

Wasser ist ein interessantes Element. In der Natur des Wassers liegt, das es nicht greifbar ist und uns immer wieder entwischt, wenn wir es nicht durch irgendetwas begrenzen (Erde). Wasser windet sich noch durch die kleinste Ritze, findet immer einem Weg, egal wie groß die Widerstände scheinen, weicht aus, schlängelt sich durch, passt sich an und ist dabei nachgiebig und kommt auf eine subtile Weise immer ans Ziel. Wasser kann aber auch enorme Kräfte entwickeln und zu einem mächtigen, rauschenden Fluss werden, der alles mit sich reißt. Wasser ist mystisch und unergründlich, es kann in seiner Weitsicht Parallelen zu Raum entwickeln. Emotional zeigt sich Wasser in Akzeptanz, Feinheit, Nachsicht. Körperlich lässt sich Wasser im Becken lokalisieren, und in dessen Beweglichkeit und Nachgiebigkeit. Aber Wasser ist auch ganzkörperlich erkennbar in einer eher weichen Figur. Wasser wird im Becken lokalisiert, als der Körperteil, der in seiner Flexibilität es uns ermöglicht, aufrecht zu stehen und zu gehen. Das Wasser zu schulen bedeutet, Akzeptanz zu üben, dass die Dinge (die Menschen, eine bestimmte Situation), so sind, wie sie sind, anstatt wütend an ihnen herumzumeckern. Auf körperlicher Ebene kann z.B. die Beweglichkeit des Beckens und die Genesung des unteren Rückens geübt werden. Menschen mit viel Wasseranteil sind manchmal grenzenlos in ihrer Nachgiebigkeit, ihrer Akzeptanz und ihrem Ausweichen, so dass sie gar nicht wahrgenommen werden. Wasser zu entdecken sowie Wasser zu begrenzen ist spannend und aufregend, und braucht Geduld (auch eine Wasserqualität im Übrigen).

Feuer.

Jetzt wird’s heiß. Feuer als Element ist der absolute Wahnsinn und ganz großartig, wenn es denn richtig eingesetzt wird. Körperlich zeigt sich Feuer in der Körpermitte als integrierendes Element zwischen unten (Beine-Erde) und oben (Brustkorb-Luft). Eine starke Mitte verhilft zu einer Ganzheit, indem Beine und Oberkörper miteinander kommunizieren und gut zusammenpassen. Emotional ist Feuer z.B. Klarheit, Fokus und Mut. Menschen, die im Feuerelement zu Hause sind, sind sehr begeisterungsfähig und tatendurstig.

Zu viel Feuer im Körper führt meist zu einer krummen, nicht aufrechten Haltung, weil zu viel in der Körpermitte passiert. Emotionales Großfeuer zeigt sich daran, dass der eigene Wille, komme was wolle, durchgedrückt wird, ohne die Anderen zu beachten. Zu feurige Menschen geben den Ton an, auch dann, wenn alle Anderen schon genervt die Augen verdrehen und keiner mehr hinhört.

Eine feurige Yogapraxis arbeitet mit Bauch- und Rückenübungen und Asanas, in denen die Aktivierung dieser Muskulatur zu mehr Ausgewogenheit und Stärke führen. Feuer zu etablieren ist wichtig, um fokussiert seinen eigenen Weg zu gehen und sich nicht beirren zu lassen von den eigenen oder fremden Zweiflern.

Luft.

Da kommen wir zum leichtesten Element von allen, zur Luft. Hier schließt sich der Kreis zum Element Raum. Luft ist auf emotionaler Ebene offen, freudig, heiter, optimistisch und kreativ. Im Körper lässt sich das gut im Oberkörper und Brustraum lokalisieren. Ein offenes, weites und strahlendes Herz, ein weiter oberer Rücken, geht Hand in Hand mit einer aufrechten und stolzen Haltung. Zu luftige Typen können ins Oberflächliche abdriften und nicht im Hier und Jetzt verankert sein. Körperlich zu luftige Menschen wirken oft instabil und sehr zart.

Eine Yogapraxis, in der viel Luft zum Einsatz kommt, arbeitet mit Brustkorböffnung, Rückbeugen, dem Ausdehnen in alle Richtungen über die Längen des Körpers hinaus. Als Herzqualität steht hier neben den bereits oben erwähnten auch das Vertrauen im Fokus, aber anders als bei Erde ist nicht das Vertrauen in sich selbst gemeint, sondern das Vertrauen ins Leben und Vertrauen darin, dass die Dinge zum rechten Zeitpunkt geschehen werden.

Spätestens hier wird klar, dass kein Element ohne das Andere funktioniert oder Sinn macht. So viele Menschen es gibt, so viele Elemente-Mixturen gibt es auch. Um Balance zu finden, brauchst du nicht so zu werden, wie dein Mattennachbar oder deine Yogalehrerin. Sondern es liegt an dir, herauszufinden, wohin deine Reise gehen soll, und was du dafür brauchst.

Für jetzt und immer.

Lutzi

*Yogalehrerausbildung bei Alexander Kröker im Element Yoga in Berlin Kreuzberg: https://elementyoga.de/

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