Heute habe ich zehn Stunden gearbeitet und elf Menschen therapeutisch begleitet.
Die Jüngste war vier Jahre alt, der Älteste 84.
Dazwischen lagen ganze Lebenswelten.
Unterschiedliche Herkunft, unterschiedliche Geschichten, unterschiedliche Körper und Nervensysteme, unterschiedliche Arten zu denken, zu fühlen, zu sprechen, zu kommunizieren und durch diese Welt zu gehen.
Ich arbeite mit Menschen in meiner Praxis und bei ihnen zu Hause. Ich betrete ihre Räume, höre ihre Geschichten, sehe Familien, Beziehungen, Lebensentwürfe, Schwierigkeiten, Eigenheiten, Humor, Verletzlichkeit und Stärke.
Und immer wieder merke ich, wie sehr mir genau das hilft, wenn ich selbst verzage:
Neugierig bleiben.
Mich öffnen für die Menschen und für die Welt.
Mich daran erinnern, wie unfassbar komplex und vielschichtig dieses Leben ist. Wie wenig davon sich in einfache Antworten, richtige Wege oder allgemeingültige Wahrheiten pressen lässt.
Vielleicht ist das eine der Erfahrungen, die mich auch in meiner Spiritualität am tiefsten geprägt haben:
Das Göttliche, wenn wir es so nennen wollen, begegnet uns in Tausenden und Abertausenden Formen.
In vierjährigen Kindern und 84-jährigen Männern.
In fremden Wohnzimmern.
In Sprache und Sprachlosigkeit.
In Chaos, Eigenwilligkeit, Schönheit, Krankheit, Entwicklung, Alter, Unterschiedlichkeit.
In all diesen vollkommen verschiedenen Arten, Mensch zu sein.
Die Welt wird größer, sobald ich wieder neugierig auf sie werde.
Und meine eigenen Sorgen werden darin manchmal ein kleines bisschen leiser.